Donnerstag, 9. Mai 2013

may we introduce: Arno Bojak


Der Kosmos in Arno Bojaks Bildern changiert zwischen schräg und schrecklich. Dabei versteht es der Künstler hervorragend, jegliche oberflächlich entstehende Schönheit, sei sie durch eine bestrickende Farbigkeit oder durch virtuosen Pinseleinsatz geboren, durch die Monströsität seiner Bildarchitekturen und/oder Figuren zu unterwandern. Mit Spielfreude schickt er den Betrachter zurück auf die Plätze und lässt ihn arbeiten: Am Suchbild der offensichtlichen und der versteckten Bezüge zu Kunsthistorie, Zeitgeschichte, Literatur, Musik oder Persönlichem.

Die in der Ausstellung gezeigten Scherenschnitt-Bilder sind eine für sich stehende Werkgruppe innerhalb des Gesamtwerks. Aus Fundstücken sponn Bojak fantastische Nachtlandschaften, die den Brückenschlag zwischen Comic und Malerei en passant mit einschließen.



may we introduce: Jens Becker



Es geht um Maschinenbau. Jens Becker konstruiert mechanische Objekte, deren Funktion die Darstellung der vom Objekt selbst verursachten Bewegungen, Materialitäten und Geräusche sind. Jedes Objekt ist an sich ein Experiment, eine Versuchsanordnung zu den Eigenschaften von Raum und Zeit. Die wesentlichen Eigenschaften dieser doch grundsätzlichen Phänomene werden vom Zweck isoliert, um sie frei beobachten zu können. Die Ergründungsversuche des schwer Vorstellbaren streifen wissenschaftliche, philosophische und spirituelle Ansätze. 

Die technische Arbeit wird begleitet von teils großformatigen Zeichnungen, die die praktischen Planungen kombinieren mit den in die Maschine gesetzten Erwartungen, was ihre transzendente Wirkung angeht. Dabei entsteht eine ornamentale Partitur von ganz eigener Poesie, die Formen und Zeichen für das schwer Greifbare und schwer Verständliche findet. 


Mittwoch, 8. Mai 2013

may we introduce: Felix Müller


Die perfekte Linie. Das ist eine Herausforderung, der Felix Müller minutiös nachgeht. Was ursprünglich eine Handzeichnung ist, wird in eine digitale Grafik übersetzt und optimiert. So entsteht ein Formenrepertoire, ein Bildvokabular, das in der Kombination mit höchst malerischen Hintergründen  und dem Spiel mit Positiv- und Negativformen sowie Aussparungen zu einem irritierenden Bildraum geschichtet wird.

In der Intimität der kleinen Formate mittels Siebdruck, in den großformatigen Arbeiten mittels Schablonentechnik entwickelt Felix Müller eine eigene, aus seinen Erfahrungen, Hoffnungen, Leidenschaften und auch trockener Ironie gewachsene Poesie. Die Märchen und der Krieg, die Tiere und die Menschen, die Historie und die Mode, der pralle Sex und der feine Witz, dies alles tritt in Müllers persönlichem Kosmos auf und vereint sich zu einer Bestandsaufnahme des gegenwärtigen Zustands.

may we introduce: Katja Pfeiffer

Typhoon



Zeichnen mit Stichsäge und Spielfreude - Katja Pfeiffer spürt in den kleinen und großen Architekturen der Stadtlandschaften das Provisorische und Kulissenhafte auf und isoliert es in Zeichnungen. Im Modell, im Atelier und schließlich im Ausstellungsraum erhält das Instabile eine eigene Bühne. Aus Materialien, denen ebenfalls das Brüchige und Vorläufige innewohnt, oft aus aus Sperrholz- oder Plexiglasplatten werden die Fragmente der formal zerlegten Bauwerke luftig neu zusammengesetzt, oft zu großdimensional raumgreifenden Installationen. Die Lichtinstallation "Typhoon" lässt das räumliche Liniengewirr  erst durch die Projektion zum Bild zusammenwachsen.

may we introdruce: Dorothea Schulz

Funnel of Hell
Schwarzenbergfluse

Dorothea Schulz hält fest, was sie im wahrsten Sinne des Wortes aufschnappt. Gespräche, Radiostimmen, Satzfundstücke werden in ihren Zeichnungen festgehalten und durch eigentümliche, verzerrte Figuren und Figurinen illustriert. Neben den Notaten des Beiläufigen sucht die Künstlerin gezielt das Gespräch, hält Interviews mit dem Zeichenstift fest, den Vorgang des Französisch-Lernens oder Moabiter Gerichtsverhandlungen, die sie besuchte. So mischt sich das Gefundene mit dem Gesuchten, das Dokumentierte mit dem Behaupteten und die Versalie mit der Deformation - neben dem unermüdlich notierten Wort- und Gedankenfluss steht die Stille: Die "Jahresflusen" wachsen ziellos innerhalb eines Jahres zu einem Schwarm feiner, kleiner Striche, zu einem grauen Rauschen.

Dienstag, 7. Mai 2013

may we introduce: Christian Pilz



Christian Pilz, geboren 1978 spielt in seinen labyrinthischen Zeichnungen detailreich mit Überlegungen zu unübersichtlichen Systemen und der Freiheit, auf optischem Weg zu erschaffen, was in der Realität keinen Platz findet. Seine ohnehin feingliedrigen Zeichnungen entpuppen sich bei näherem Hinsehen als Konglomerate und Ballungen winziger, stereotyper Eizelformen, die aus jedes Motiv tatsächlich zu einem System zer- und wieder zusammensetzen. Unverkennbar sind Bezüge zu den Kerker-Bildern Piranesis und den illusionistischen Paradoxien M. C. Escher.

Mehr Christian Pilz:
"Weltmaschinen. Zeichnungen 2004 - 2012", bis 16. Juni, Kunsthalle Wilhelmshaven

may we introduce: Julia Neuenhausen

Zentralorgan, 2011



Seit den 1990er Jahren arbeitet Julia Neuenhausen in ihren Werken mit Doppelungen, Symmetrien und Vermusterungen. Ausgehend von der poststrukturalistischen Zeichentheorie und der Semiotik Roland Barthes’ entwarf die Künstlerin „einen Katalog von Wörtern und Zeichen, eine Art Ikonologie der Zeichensprache“, die die sowohl auf uns einwirkenden als auch uns prägenden Informationen und Erlebnisse widerspiegelt. Die sich wiederholenden Zeichen werden bewusst oder unbewusst verinnerlicht und schreiben sich als Muster in unsere Erfahrung ein: So entstehen innere Denkmuster, die, nach außen gerichtet, auf gesellschaftliche und soziale Strukturen reflektieren. Neuenhausen geht in ihren Arbeiten der Frage der ‚Vermusterung’ nach: den wiederkehrenden Zeichen und Codes der Kindheitsmuster, Verhaltensmuster, Handlungsmuster, Wahrnehmungsmuster, wobei letztere durch mediale Vermittlung geformt werden: Nachrichten, Fernsehen, Internet, Zeitungen, Werbung, Produktmarketing. Die Kombination allgemeinverständlicher und individueller Icons, Piktogramme und Symbole, die Gegenüberstellung von organischen und geometrischen Formen, abstrakten und figürlichen Zeichen sowie technischen Apparaturen und Natur- und Landschaftsmotiven in Verbindung mit Spiegelungen erzielt in Neuenhausens Arbeiten den Effekt des Geheimnisvollen, Märchenhaften, Magischen.